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Anekdötchen

Bildband „Die mechanische Bratwurst“ von Schlossermeister Walter Günther

Pffft! Eigentlich bin ich hier, um bei einem Glas Apfelwein Walter Haimann am hauseigenen Stride Piano zu lauschen. Pffft! Das Klavier im Urzustand und Urgestein Walter an diesem. Pffft! Langsam reicht es mir. Wie viele Schaumküsse werden noch auf mich abgefeuert?

Das Prinzip einer Schaumkusswurfmaschine mit 10 Cent-Münzeinwurf ist ziemlich einfach: Die Münze rollt auf einer Zick-Zack-Bahn zum Auslöser, wodurch das mit einem Schaumkuss beladene Katapult entfesselt wird. Auf die Idee muss man erst einmal kommen, antike Kriegstechnik mit moderner Automatentechnik zu kombinieren. Solange mir keine Kriegsgefangenen entgegengeschleudert werden, wie es im Spätmittelalter geschah, kann ich prima damit leben. Im Gegensatz zu Kriegsgefangenen demoralisieren Grabower Schaumküsse nicht.

„Eine Welt aus längst vergessenen Erinnerungen, Kindheitsträumen zwischen Pan Tau und Jules Verne.“

FAZ über Walter Günther

„Eine Welt
aus längst vergessenen Erinnerungen, Kindheitsträu-
men zwischen Pan Tau und Jules Verne.“

FAZ über Walter Günther

Über den Verfasser

Claus Folger kommt aus Frankfurt und unterrichtet an der Goethe-Universität und an der Fachhochschule als Deutsch- und Fremdsprachentrainer. Er arbeitet als freier Journalist.

Herzlich willkommen im Mampf!

Seit vierzig Jahren bietet dieses kleine und verrückte Unikum auf 40 qm Jazzern aus aller Herren Ländern ein Obdachlosenasyl. Walter Haimann hatte einst gemeinsame Auftritte mit dem legendären Saxophonisten Joe Henderson. Heute Abend begleitet er Schlossermeister Walter Günther. Der Mann mit dem Schnauzbart und dem grauen Kittel, den manche den Daniel Düsentrieb des Frankfurter Nordends nennen, hat seine Werkstatt geplündert – „eine Welt aus längst vergessenen Erinnerungen, Kindheitsträumen zwischen Pan Tau und Jules Verne“, wie die FAZ schrieb. 
 
In einer Art Release-Party stellt der 51jährige einem ihm wohlwollend gesinnten Publikum kuriose Erfindungen aus seinem Bildband „Die mechanische Bratwurst“ vor: die handbetriebene Schlagbohrmaschine, den Serviettenwilli, das Stahlwolle-Feuerzeug, den Bembelwächter, die Bratwurstwendemaschine, den Kartoffel-al-Dente-Automaten und nicht zuletzt die Schaumkusswurfmaschine. Walter Günther tritt nur hier auf - im Mampf, wo man ihn kennt - jeder andere Ort in Frankfurt ist für seine Zwecke undenkbar. 
 
Walter Haimann spielt Ragtime. Daniela kommt aus der Küche und biegt mit einem Hackbraten um die Ecke. Sie geht jeden Weg selbst. Der Trick mit Durchreiche und Dienstbotenklingel kann hier nicht funktionieren. So eng sind Piano und Durchreiche miteinander, dass zu den ragtimetypischen Tonhäufungen - Schusseligkeit vorausgesetzt - jederzeit Hackbraten und Kollegen slapstickend ihren clusterbildenden Beitrag leisten könnten. 
 
Ragtime hatte seine Blüte zur Stummfilmzeit. „Where can I get free ragtime, Charlie Chaplin/Buster Keaton typ?“, heißt es heute im Internet. Schlossermeister Günther spricht von seiner Begeisterung für das funktionale Zusammenspiel von Hebeln und Zahnrädern im Stil vergangener Zeiten. Wer hat da nicht Charlie Chaplin vor Augen, wie er an einem riesigen Zahnrad hängt und verzweifelt versucht eine Schraube zu ersetzen.

 

Moderne Zeiten im Mampf?

Es ist 23.17 Uhr. Nicht die lustigen Strolche aus der Klamottenkiste flitzen, nicht Männer in ihren Seifenkisten rutschen, nein, der Brezelbub, eine Frankfurter Institution, betritt die Jazzkneipe. Immer eine Fahrradklingel am Korb, hört man ihn schon, bevor man ihn sieht. Im Angebot hat er Laugenbrezeln und Haddekuche, ein traditionelles Frankfurter Gebäck, eine Art rautenförmigen Pfefferkuchen. Wie schön ist das alles down home in Frankfurt.
 
In den 60er Jahren war das Mampf unter dem Namen Sandwegstube das Stammlokal von Metzgergesellen und eingefleischten Hütchentrinkern. Der neue Besitzer verkündete sofort einen Asbach- und Coca-Cola-Boykott und legte statt den Oberkrainern und Peter Alexander nur noch Free-Jazz auf. 
 
Heute hat das Mampf eine eigene Cola-Edition. Eine Dose kostet allerdings 3 Euro und darf nur im Außenbereich getrunken werden. Auf der Doseninschrift heißt es: „1972-2012. Coca-Cola feiert 40 Jahre Mampf.“

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